Wie du in den Flow-State gelangst

Rund ums Studium

Das Catchword “Flow” wird immer bekannter. Was Leistungssportlern schon lange umgangssprachlich als “the Zone” bekannt ist, findet nun auch bei dem Rest der Bevölkerung Anklang. Dabei beschreibt Flow einen Zustand, in dem du unter anderem fokussiert und ohne interne Ablenkungen arbeiten oder lernen kannst. So wie es Individual- und Teamsportarten gibt, gibt es auch einen Flow-State des Individuums und einen solchen einer Gruppe. In diesem Artikel werde ich mich hauptsächlich mit dem des Individuums beschäftigen. Und auch richtet sich die nachfolgende Anleitung nicht an Profisportler, sondern viel mehr an Studenten und Studentinnen, die den Flow-State nutzen wollen um sich effizienter, erfüllter und nachhaltiger auf ihre Klausuren vorzubereiten. Selbstredend eignet sich die Anleitung aber auch für jegliche kreative Tätigkeit, vom Programmieren bis hin zum Bloggen.

Die Anleitung

Nachfolgend zeige ich dir meine Routine, in den Flow-State zu gelangen. Die Anleitung basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, die ich an meinen Lebensstil und meine Arbeitsumstände entsprechend angepasst habe. Sie erstrebt somit nicht den Anspruch einer abschließenden Aufzählung und du solltest sie bei Bedarf etwas tunen.

Keine Ablenkungen

Wenn du in den Flow-State gelangen möchtest, gilt der erste Blick deiner Arbeitsumgebung. Nach Möglichkeit solltest du alleine sein oder mit einigen Wenigen, die ebenfalls konzentriert arbeiten möchten. Ansonsten empfehle ich dir Gegenstände, die nichts mit deiner Aufgabe zu tun haben, wegzuräumen. Ich empfehle dir eine minimalistische und saubere Arbeitsfläche aufzusuchen. Hast du daheim nicht die Möglichkeit dir einen solchen Platz zu schaffen, empfehle ich dir – neben aufzuräumen – einfach die nächste Bibliothek dafür zu nutzen oder auch einen ruhigen Coffee-Shop.

Keine Ablenkungen bedeutet aber auch, dass du dein Handy und etwaige Notifications auf deinem Notebook, Tablet oder sonstigem Arbeitsgerät muten solltest. Glaub mir, du verpasst regelmäßig nichts Wichtiges und der erhöhte Fokus zahlt sich allemal aus.

Des Weiteren solltest du eine ruhige Umgebung aufsuchen. Denn auch akustische Ablenkungen reißen dich aus einem anbahnenden Flow-State. Hierfür empfehlen sich grundsätzlich Active-Noise-Cancelling Kopfhörer. Das passt auch direkt gut zum nächsten Punkt.

(Repetitive) Musik

Auf deiner Reise in die schöne Welt des Flow-States wird dich Musik durchaus unterstützen. Diese hält dich zum einen davon ab, mit deinen Gedanken abzuschweifen und kann dich darüber hinaus noch in lauteren Umgebungen vor den störenden Geräuschen abschirmen. Bei der Auswahl deiner Musik solltest du dabei aber ein paar Dinge beachten.

Häufig wird empfohlen, dass die Musik möglichst repetitiv sein sollte. Denn dadurch gelangst du wohl nochmal einfacher in den Flow. Persönlich höre ich keine repetitive Musik, dazu aber gleich mehr.

Außerdem solltest du keine dir unbekannte Musik hören, da dein Gehirn dann wiederum aktiv wird um den neuen Song wahrzunehmen und zu verarbeiten. Doch genau das möchtest du ja vermeiden.

Und zuletzt sollte die Musik auch keinen aufreibenden Charakter haben. Generell fallen damit meistens Songs mit Lyrics raus, da du sonst zu viel Zeit auf das Verstehen und Mitfühlen der Texte verwendest.

Unterm Strich bleiben somit ein paar wenige, aber dennoch ausreichende Musikrichtungen übrig. So eignet sich – basierend auf dem Klischee – klassische Musik hierfür gut, sofern du sie zumindest schon einmal gehört hast. Mir persönlich, entgegen des eben genannten dritten Kriteriums, fällt es auch leicht bei Akustik Covers in den Flow zu gelangen. Aber da sind wir letztlich wohl alle unterschiedlich und ich kann dir nur empfehlen die verschiedenen Möglichkeiten zu probieren.

Regelmäßige Meditation

Spätestens wenn man erfährt, dass Flow etwas mit Konzentration und besonders dem Konzentrationshalten zu tun hat, wird klar, dass regelmäßiges Meditieren unerlässlich ist für das gezielte Erreichen des Flow-States. Und tatsächlich stellt die Meditation eine perfekte Trainingsgrundlage dar. Der Fokus auf die eigene Atmung, das Ausschalten äußerer Reize und das Einswerden mit sich selbst, beziehungsweise im Flow-State dann mit der vorliegenden Aufgabe. Wer regelmäßig meditiert, macht sich mit dem Zustandekommen des Flows bekannt und wird diesen so auch leichter finden, wenn es darauf ankommt.

Es genügt hierbei vollkommen täglich zehn bis fünfzehn Minuten zu meditieren, oder aber auch über den Tag verteilt immer wieder für einige Sekunden bis Minuten bewusst und achtsam zu atmen.

Ausreichend Zeit

Um in den Flow-State zu gelangen, solltest du genügend Zeit einplanen. Regelmäßig stellt sich dieser nämlich erst nach 20 bis 30 Minuten ein. Je nach Person und Umgebung kann es durchaus aber auch mal länger dauern. Deshalb bringt es dir wohl nichts, wenn du in den Flow-State gelangen möchtest und dabei aber in 15 Minuten etwas anderes erledigen musst. Selbst wenn es dir gelingen sollte, könnte der Verlust des Zeitgefühls dann durchaus problematisch werden. ?

Nimm dir also genügend Zeit, sei entspannt und belaste dich nicht unnötigerweise mit einem Zeitdruck.

Genügend Energie

Darüber hinaus wird es dir schwerer fallen in den Flow-State zu gelangen, wenn du müde bist oder dich energielos fühlst. Hierfür kannst du in erster Linie dich selbst studieren und herausfinden, zu welcher Tageszeit du am Besten lernen kannst. Auch spielen deine Ernährung und regelmäßiges Training eine entscheidende Rolle für deinen Energiehaushalt. Die Vorbereitung für Flow findet mithin bereits vor der eigentlichen Aufgabe statt. Ernähre dich folglich ausgewogen und gesund, treibe regelmäßig Sport und Schlafe erholsam genug, damit du tagsüber auf größere Energiereserven zurückgreifen kannst. Auch ganz ohne in den Flow-State zu gelangen, wird dir das helfen, effizienter und nachhaltiger zu lernen.

Eine konkrete Aufgabe

Es empfiehlt sich auch, dass du dir eine konkrete Aufgabe aussuchst, die du bearbeiten möchtest. So ersparst du dir unnötige Überlegungen bezüglich deiner weiteren Aufgaben, die dich aus deinem Flow reißen können. Hierzu gehört es auch, dass du dir, wenn möglich, ein genaues Ziel für die Session setzt. Womit möchtest du nach deiner Arbeit fertig sein? Was möchtest du erlernen? Wie viele Seiten möchtest du schreiben? Kläre diese Fragen im Vorfeld ab, damit du dir während des Arbeitens auch nur bezüglich des “Wies” und nicht des “Obs” oder “Was” deiner Aufgabe Gedanken machen musst.

Trinke ausreichend (Wasser!)

Solltest du dich gerade fragen, ob du heute schon genug getrunken hast, wird die Antwort wie bei den meisten Menschen wohl “nein” lauten. Dabei wird es dir weitaus leichter fallen in den Flow-State zu gelangen, wenn du auch ausreichend hydriert bist. Viel mehr gibt es zu diesem Punkt an dieser Stelle auch nicht zu sagen. Trinke einfach genug!

Finde deinen Flow-Trigger

Ich habe bei mir selbst festgestellt, dass es mir enorm hilft, wenn ich ein gewisses Ritual habe vor einer längeren Arbeit-Session. Dazu zählen bei mir beispielsweise mehrere tiefe, bewusste Atemzüge, das Starten meiner Akustik Covers, das Weglegen meines Smartphones und das Ablegen meiner Smartwatch. Du siehst also, alleine schon die Tatsache, dass du deine Lernatmosphäre vorbereitest, sorgt dafür, dass du besser lernen kannst. Zusätzlich dazu hilft es dir dann auch noch in den Flow zu kommen!

Fazit

Eine Garantie dafür, dass du in den Flow-State gelangen wirst, kann dir diese Anleitung nicht geben. Aber selbst wenn du nicht dorthin gelangst, wirst du mit dieser Anleitung auf jeden Fall konzentriert, und effizient lernen oder arbeiten. Auch wirst du erst nach ein paar Minuten in den Flow-State gelangen. Die ersten 20 Minuten einer Lerneinheit können sich demnach auch häufig als zäh oder anstrengend herausstellen. An dieser Stelle kann ich dir eigentlich nur empfehlen, dass du dranbleibst und die Zeit einfach durchstehst. Es kann manchmal eine ziemlich große Herausforderung darstellen, in einer Welt voller Ablenkungen sich auf zukunftsorientierte, langwierige Arbeiten zu konzentrieren. Dennoch werden diese sich auf Dauer lohnen. Also bleib dran!

Verträglichkeit mit der Pomodoro-Technik

Wer sich mehr mit dem Thema des Lernens beschäftigt, wird sich eventuell fragen, inwiefern man den Ansatz des Flows mit dem der Pomodoro-Technik verknüpfen kann. Diese ist eine Lerntechnik, bei welcher man in Intervallen lernt. Beispielsweise folgt auf eine 20-Minütige Lerneinheit meist eine 5-Minütige Pause. Da aber die Erreichung eines Flow-States durchaus auch bis zu 20 Minuten dauern kann, erscheint eine direkt daran anknüpfende Pause als kontraproduktiv. Und ich persönlich würde diese beiden Lerntechniken auch nicht verbinden.

Die Pomodoro-Technik eignet sich hervorragend um sich neue Themen von Grund auf anzueignen oder Informationen auswendig zu lernen. Auch ist sie ausgezeichnet um Phasen in denen du müde bist oder dich absolut nicht zum Lernen motivieren kannst zu überbrücken. So erscheint eine kurze Lernphase im Wechsel mit Pausen zunächst erreichbarer als ein lange Zeit aufrecht gehaltener Fokus.

Auf der anderen Seite hilft dir der Flow-State dabei längere, anstrengende Arbeiten zu erledigen. Wenn du beispielsweise bereits die Grundmaterien eines Themas erarbeitet hast, kannst du im Flow-State sehr gut zahlreiche Anwedungsaufgaben dazu lösen. Er eignet sich unter Umständen auch für kreative Arbeiten, auch wenn die ein oder andere Person in solchen Fällen lieber auf andere Arbeitstechniken zurückgreift.

Unterm Strich haben die meisten Lerntechniken ihre Berechtigung. Letzten Endes eignen sie sich eben für unterschiedliche Aufgaben und Individuen verschieden gut. Je mehr du also von ihnen kennst und ausprobierst, umso leichter wird es dir fallen, die für dich und deine konkrete Aufgabe notwendige Technik anzuwenden.

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