Irrtümer im Strafrecht – Error in Persona und Aberratio Ictus

Irren ist menschlich. Da erscheint es nur logisch, dass wir auch bei Straftaten Irrtümer berücksichtigen müssen. Dieser Artikel befasst sich hierbei mit dem vorsatzausschließendem Tatbestandsirrtum.

§16 StGB besagt, dass vorsätzlich handelt, wer sich bei Begehung der Tat aller normativen Umstände bewusst ist, die zum gesetzlichen Tatbestand gehören. Irrt der Täter demnach über einen dieser Umstände, schließt dies den Vorsatz aus, was nicht allzu selten zu einer drastischen Strafmilderung führen kann. Betrachten wir die Fälle also mal im Einzelnen.

Error in persona vel obiecto

Beim Error in persona vel obiecto irrt der Täter über die Identität einer Person oder die Beschaffenheit eines Tatobjekts.

Bei Gleichwertigkeit der verwechselten Objekte liegt lediglich ein unbeachtlicher Irrtum vor und der Vorsatz bleibt bestehen.

Beispiel: A möchte den B erschießen, erschießt aber den C, weil er ihn für B gehalten hat.

Hier tötet A einen Menschen. Ob er letztenendes B oder C erschießt, ist für §§ 211 bzw. 212 StGB irrelevant.

Sind die verwechselten Objekte nicht gleichwertig, behandeln wir den Fall etwas anders:

A möchte die Verkäuferin V erschießen, weil er sich nicht gut beraten fühlte. Deshalb geht er nachts vor den Laden und schießt auf einen Schatten im Schaufenster, den er für V hält. Stattdessen trifft A dabei nur eine Schaufensterpuppe.

A hat hier keinen Menschen getötet, weshalb er nicht für Mord oder Totschlag belangt werden kann.

Stattdessen kommt hier eine fahrlässige Strafbarkeit hinsichtlich des getroffenen Objekts (sofern strafbar) und eine versuchte Strafbarkeit hinsichtlich des erhofften Tatobjekts in Frage.

Aberratio Ictus

Die Aberratio Ictus ähnelt dem Error in persona, nur dass hier keine Verwechslung im Mittelpunkt steht, sondern vielmehr ein Fehlgehen der Tat.

Beispiel: A will B töten, schießt auch auf B, aber trifft versehentlich den C.

Wie sich ein Aberratio Ictus auf den Täter auswirken soll, ist strittig.

Eine Ansicht bestraft den Täter für die vollendete und vorsätzliche Tötung am getroffenen Tatobjekt. Behandelt diesen Fall also wie einen Error in persona.

Eine andere, herrschende Ansicht, bestraft den Täter für Fahrlässigkeit hinsichtlich des getroffenen Objekts (sofern strafbar) und für Versuch hinsichtlich der beabsichtigten Tat.

Außerdem kann der Täter noch über den Kausalverlauf irren. Dieser Irrtum ist im Normalfall unbeachtlich, wenn die Abweichung im Rahmen der allgemeinen Lebenserfahrung noch vorhersehbar ist. Bei starken Abweichungen (atypischer Kausalverlauf) gewinnt dieser Irrtum bereits in der objektiven Zurechnung an Relevanz. Näheres dazu findest du hier.

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